Golferarm vs. Tennisarm: Unterschied, Anzeichen und Behandlung

Golferarm vs. Tennisarm: Unterschied, Anzeichen und Behandlung

Du hebst die Einkaufstüte vom Kassenband — und ein stechender Schmerz zieht durch den Ellenbogen bis in den Unterarm. Beim Händeschütteln zuckst du zusammen, das Öffnen des Marmeladenglases wird zur Mutprobe, und selbst die Kaffeetasse fühlt sich plötzlich schwer an. Ellenbogenschmerzen gehören zu den häufigsten Sehnenbeschwerden überhaupt — und sehr oft steckt eines von zwei Beschwerdebildern dahinter: Tennisarm oder Golferarm.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Mehr dazu am Ende des Beitrags.

Gut zu wissen: Du brauchst weder Tennisschläger noch Golfschläger, um eines davon zu bekommen. Eine Frage gibt oft einen ersten Hinweis: Wo genau tut es weh — außen oder innen? In diesem Guide erfährst du, an welchen typischen Anzeichen sich die beiden unterscheiden, welche Ursachen häufig dahinterstecken und welche Maßnahmen in ärztlichen Ratgebern oft genannt werden. Ein Selbsttest zu Hause ersetzt dabei keine ärztliche Untersuchung.

Was ist was? Golferarm und Tennisarm einfach erklärt

Beide Beschwerdebilder sind sogenannte Epicondylopathien — Reizungen der Sehnenansätze am Ellenbogen. Der Unterschied liegt in der Seite:

  • Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis): Schmerz am äußeren Ellenbogen. Betroffen sind die Sehnenansätze der Unterarm-Streckmuskeln — also der Muskeln, die Handgelenk und Finger strecken.
  • Golferarm (Epicondylitis humeri ulnaris): Schmerz am inneren Ellenbogen. Hier sind die Sehnenansätze der Unterarm-Beugemuskeln gereizt — der Muskeln, die die Hand beugen und zugreifen lassen.

Der Tennisarm ist in der Praxis deutlich häufiger als der Golferarm. Beide haben mit dem namensgebenden Sport meist wenig zu tun: Viele Betroffene haben nie einen Schläger in der Hand gehabt. Typischer sind Bildschirmarbeit, handwerkliche Tätigkeit, Krafttraining oder wiederholte Greifbewegungen im Alltag.

Wichtig zu wissen: Trotz der Endung „-itis“ ist in vielen Fällen keine klassische Entzündung im Gewebe nachweisbar. Häufig wird eine Überlastungsreaktion der Sehne (Tendinopathie) mit kleinen strukturellen Veränderungen beschrieben — deshalb wird in der Fachliteratur meist eher angepasste Bewegung als komplette Ruhigstellung diskutiert.

Typische Anzeichen: innen oder außen?

Diese Übersicht ersetzt keine Diagnose. Ob es sich wirklich um einen Golferarm oder Tennisarm handelt, kann nur eine ärztliche Untersuchung klären. Ellenbogenschmerzen können auch andere Ursachen haben, etwa Nervenreizungen, Gelenkprobleme oder Verletzungen. Die folgenden Merkmale beschreiben, worauf Ärzt:innen bei der Untersuchung typischerweise achten — sie sind keine Anleitung zur Selbstdiagnose. Wenn etwas deutlich schmerzt, solltest du nichts weiter ausprobieren.

Anzeichen 1: Wo liegt der Druckschmerz?

Am Ellenbogen gibt es zwei tastbare Knochenvorsprünge. Ein deutlicher Druckschmerz am äußeren Vorsprung (bei hängendem Arm auf der dem Körper abgewandten Seite) wird typischerweise mit einem Tennisarm in Verbindung gebracht. Schmerzt eher der innere Vorsprung (Richtung Körper), kann das auf einen Golferarm hindeuten.

Anzeichen 2: Schmerz beim Strecken des Handgelenks (Tennisarm)

Beim Tennisarm wird häufig beschrieben, dass das Strecken des Handgelenks gegen Widerstand — etwa beim Anheben einer Tasse mit dem Handrücken nach oben — Schmerzen am äußeren Ellenbogen auslöst. Ärzt:innen prüfen das in der Praxis gezielt, unter anderem mit dem sogenannten Cozen-Test.

Anzeichen 3: Schmerz beim Beugen und Zugreifen (Golferarm)

Beim Golferarm wird eher beschrieben, dass das Beugen des Handgelenks gegen Widerstand mit der Handfläche nach oben Schmerzen am inneren Ellenbogen auslöst. Typisch ist auch Schmerz beim kraftvollen Faustschluss — etwa beim Tragen einer schweren Tasche.

Die echten Ursachen — warum es fast nie der Sport ist

Beide Beschwerdebilder entstehen häufig durch wiederholte, monotone Belastung der Unterarmmuskulatur. Oft genannte Auslöser:

  • Bildschirmarbeit mit Maus und Tastatur — stundenlange Streckhaltung des Handgelenks gilt als typischer Auslöser für den Tennisarm. Falls zusätzlich die Finger kribbeln, lies auch unseren Guide zum Karpaltunnelsyndrom und lass das ärztlich abklären.
  • Handwerk und Hausarbeit — Schrauben, Streichen, Schneiden, Wringen: alles Greif- und Drehbewegungen unter Last.
  • Krafttraining — vor allem Klimmzüge, Curls und Unterarmarbeit mit zu schneller Steigerung; ein häufiger Auslöser des Golferarms.
  • Schläger- und Wurfsportarten — ja, auch: Tennis, Golf, Klettern, Handball. Meist bei Technikfehlern oder plötzlicher Belastungssteigerung.
  • Ungewohnte Einmalbelastung — der Umzugstag, das Wochenende Gartenarbeit, das neue Hobby.

Der gemeinsame Nenner: Die Sehne wird über Wochen stärker belastet, als sie sich anpassen kann. Als Risikofaktoren werden unter anderem Rauchen, Diabetes und ein Alter zwischen etwa 35 und 55 Jahren genannt.

Was in der akuten Phase oft empfohlen wird

Welche Maßnahmen für dich passen, klärst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. In ärztlichen Ratgebern werden bei frisch gereiztem Ellenbogen häufig diese allgemeinen Punkte genannt:

  1. Belastung anpassen — nicht unbedingt komplett stilllegen. Häufig wird beschrieben, die auslösende Bewegung eine Zeit lang zu reduzieren und den Arm im schmerzfreien Bereich weiter zu bewegen. Wie viel Schonung sinnvoll ist, ist individuell verschieden.
  2. Kühlen bei akuter Reizung. Viele Betroffene empfinden Kälte in der akuten Phase als angenehm. Oft genannt werden kurze Anwendungen von etwa 15 bis 20 Minuten, immer mit Stoff zwischen Kühlelement und Haut. Wann Kälte und wann Wärme häufig eingesetzt wird, erklärt unser Kalt-oder-Warm-Guide.
  3. Arbeitsplatz und Technik prüfen. Maus-Position, Griffstärke, Trainingsgewichte — bleibt der Auslöser unverändert, kommen die Beschwerden oft zurück.
  4. Wärme bei länger bestehenden Beschwerden. Bestehen die Beschwerden schon länger, empfinden viele Wärme als angenehmer, etwa bei verspannter Unterarmmuskulatur.

Wann du nicht kühlen oder wärmen solltest

Kälte- und Wärmeanwendungen sind nicht für alle geeignet. Kälte nicht anwenden bei Durchblutungsstörungen (pAVK), Raynaud-Syndrom, Kälteurtikaria oder Kryoglobulinämie. Vorsicht bei Diabetes mit Nervenschädigung (Polyneuropathie), bei Taubheitsgefühl oder gestörtem Empfinden im Anwendungsgebiet, bei Hauterkrankungen und bei offenen Wunden. Wenn du unsicher bist, frag vorher in deiner Praxis nach.

Allgemeine Sicherheitshinweise: nie direkt auf die Haut, immer eine Textilschicht dazwischen. Die Anwendung kurz halten, die Haut zwischendurch kontrollieren und nicht im Schlaf anwenden.

Kein Wärmen bei: akuter Entzündung mit Rötung und Überwärmung, Verdacht auf Thrombose, Blutungsneigung, frischen Verletzungen oder gestörtem Empfinden im Anwendungsgebiet.

Übungen: was häufig empfohlen wird

In der Physiotherapie wird bei beiden Beschwerdebildern häufig mit exzentrischem Training gearbeitet — also dem langsamen, bremsenden Absenken gegen leichten Widerstand. Die folgenden Beispiele beschreiben einen typischen Ablauf, wie er oft beschrieben wird. Sie sind kein Behandlungsplan. Welche Übungen für dich geeignet sind, besprichst du am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Physiotherapie. Bei Schmerzen abbrechen.

Anfangs: Reizung beruhigen

Häufig wird zuerst die auslösende Belastung reduziert und mit sanften Dehnungen begonnen: Beim Tennisarm wird zum Beispiel der Arm ausgestreckt und die Hand mit der Gegenhand behutsam nach unten gezogen (Dehnung der Streckseite). Beim Golferarm zeigt die Handfläche nach oben und das Handgelenk wird sanft nach unten gestreckt (Dehnung der Beugeseite).

Danach: exzentrisch aufbauen

Oft wird mit sehr leichtem Gewicht gearbeitet, etwa einer kleinen Wasserflasche. Beim Tennisarm liegt der Unterarm dabei auf dem Tisch, die Handfläche zeigt nach unten, und das Handgelenk wird langsam abgesenkt; beim Golferarm dieselbe Übung mit der Handfläche nach oben. Wiederholungszahl und Gewicht legt am besten deine Physiotherapie fest.

Später: zurück zur Belastung

Meist wird die Belastung schrittweise gesteigert, bis Sport und Alltag wieder möglich sind. Sehnen passen sich langsam an — Geduld gehört dazu. Wie lange das dauert, ist individuell sehr unterschiedlich; oft ist von mehreren Monaten die Rede.

Wann solltest du zum Arzt?

Viele Fälle bessern sich ohne Operation. Ärztlich abklären lassen solltest du deine Beschwerden aber, wenn:

  • die Schmerzen nach einigen Wochen trotz Schonung nicht besser werden oder du unsicher bist, was dahintersteckt,
  • Kribbeln oder Taubheit in Ringfinger und kleinem Finger dazukommen — beim Golferarm kann der benachbarte Ellennerv mitgereizt sein,
  • der Ellenbogen geschwollen, gerötet oder überwärmt ist,
  • du Fieber hast und das Gelenk gleichzeitig geschwollen und gerötet ist — das kann auf eine Gelenkinfektion hinweisen und gehört umgehend ärztlich beurteilt, außerhalb der Sprechzeiten über den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117,
  • der Schmerz nach einem Sturz oder Unfall aufgetreten ist oder der Arm fehlgestellt oder nicht mehr belastbar ist — im Notfall 112,
  • du nachts vor Schmerzen aufwachst oder deutliche Kraftlosigkeit in der Hand bemerkst.

FAQ — die häufigsten Fragen zu Golferarm und Tennisarm

Kann ich gleichzeitig Golferarm und Tennisarm haben?

Ja, das kommt vor — vor allem bei starker beruflicher Belastung des Unterarms. Meist dominiert aber eine Seite. Wie behandelt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach der Untersuchung.

Wie lange dauert ein Golferarm?

Das ist individuell sehr unterschiedlich: Der Verlauf kann sich über viele Monate ziehen. Viele Fälle kommen ohne Operation aus. Eine verlässliche Einschätzung für deinen Fall kann nur deine Ärztin oder dein Arzt geben.

Soll ich kühlen oder wärmen?

Als allgemeine Faustregel wird oft genannt: Akut und gereizt → eher Kälte. Länger bestehend und verspannt → eher Wärme. Viele empfinden in den ersten Tagen und nach Belastung Kälte als angenehm, bei länger bestehenden Beschwerden eher Wärme. Beachte dabei die Hinweise oben, wann Kälte und Wärme nicht angewendet werden sollten, und sprich im Zweifel mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Hilft eine Bandage oder Spange?

Eine Epicondylitis-Spange soll die Sehnenansätze bei Belastung entlasten und wird von vielen als angenehm empfunden. Ob sie für dich sinnvoll ist, besprichst du am besten in der Arztpraxis oder Physiotherapie. Sie ersetzt keine ärztlich begleitete Behandlung.

Sind Kortisonspritzen sinnvoll?

Fragen zu Spritzen und Medikamenten gehören in die Arztpraxis. Dort kann mit dir besprochen werden, welche Möglichkeiten es gibt und welche Vor- und Nachteile sie in deiner Situation haben.

Darf ich mit Golferarm oder Tennisarm weiter trainieren?

Häufig wird beschrieben, dass Bewegung im schmerzarmen Bereich möglich ist, während stark auslösende Bewegungen (z. B. Klimmzüge, harte Vorhand) eine Zeit lang gemieden werden. Ob und wie du trainieren kannst, klärst du am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Physiotherapie.

Was passiert, wenn ich einfach nichts tue?

Viele Fälle beruhigen sich auch von selbst — oft aber langsam. Lass anhaltende Beschwerden ärztlich abklären, damit andere Ursachen ausgeschlossen werden können.

Fazit: Erst die Seite, dann der Plan

Ob Golferarm oder Tennisarm, gibt die Frage innen oder außen? oft einen ersten Hinweis — die Diagnose stellt aber die Arztpraxis. Danach ähneln sich die häufig beschriebenen Ansätze: auslösende Belastung entschärfen, je nach Phase Kälte oder Wärme nutzen, wenn sie dir guttun, und die Sehne mit ärztlich oder physiotherapeutisch abgestimmten Übungen langsam wieder an Belastung gewöhnen. Wie lange das dauert, ist individuell sehr unterschiedlich.

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Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ist ein Ratgeber-Artikel der neeu Redaktion und dient ausschließlich der allgemeinen, unverbindlichen Information. Die Redaktion besteht nicht aus Ärzt:innen oder Therapeut:innen. Der Beitrag ist keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlungsempfehlung und ersetzt nicht die Untersuchung, Beratung oder Behandlung durch Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen oder andere qualifizierte Fachleute. Die Inhalte geben allgemein zugängliche Informationen wieder, erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Aktualität und können Deine persönliche Situation nicht berücksichtigen. Beginne, ändere oder beende keine Behandlung und keine Medikamenteneinnahme auf Grundlage dieses Artikels. Kälte- und Wärmeanwendungen sind nicht für alle Menschen geeignet; kläre sie im Zweifel vorher ärztlich ab. Bei anhaltenden, starken oder unklaren Beschwerden wende Dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt, außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 und im Notfall an den Notruf 112. Die Nutzung der Informationen erfolgt in eigener Verantwortung.